Die O'Connell Street ist die Hauptachse der Stadt. Bis 1924 unter dem Namen
Sackville Street bekannt, gewann sie durch die Konstruktion einer Brücke über
den Fluss Liffey an Bedeutung. Diese erste Brücke, die 1794 erbaute Carlisle
Bridge, wurde durch die 1880 errichtete, breitere Brücke ersetzt, die noch heute
als die O'Connell Bridge existiert. Straße und Brücke tragen den Namen Daniel
O'Connells, des einflußreichen irischen Politikers des frühen 19. Jahrhunderts.
O'Connell Street wird von dem Gebäude der Hauptpost (General Post Office, von
Einheimischen nur liebevoll als "GPO" bezeichnet) dominiert. Von den Stufen
dieses Gebäudes aus rief Padraig Pearse 1916 die Republik aus. Die GPO stand
im Zentrum des Osteraufstands und wurde, innen wie außen, stark beschädigt.
Diese Schäden waren gerade behoben, als gleich darauf der Bürgerkrieg ausbrach
und die O'Connell Street ein weiteres Mal Schauplatz von Kampfhandlungen wurde.
Die Ostseite des Gebäudes wurde damals durch einen Brand fast völlig zerstört.
Die heute noch deutlich sichtbaren Einschusslöcher in der Außenwand der GPO
stammen aus dieser turbulenten Zeit. Am Nordende des Boulevards ragt die Statue
Charles Stewart Parnells, des "ungekrönten Königs von Irland" auf. Ihr gegenüber
steht auf dem Südende das Bildnis von Daniel O'Connell. Auf halber Länge der
O'Connell Street schließlich, befindet sich die Brunnenplastik der "Anna Livia",
eine Allegorie des Liffey, benannt nach einer Figur in James Joyces Finnegan's
Wake. Im Volksmund ist sie aber eher als "the floozy in the jacuzzi" bekannt,
was soviel heißt wie "das Flittchen im Whirlpool". O'Connell Street bietet alles:
vom Schnellimbiss bis zum Luxusrestaurant, von der kleinen exquisiten Boutique
bis zum Einkaufszentrum.