Letterkenny liegt an der Mündung des tiefen und wunderschönen Lough Swilly.
Im 17. Jahrhundert entwickelte sich der Ort von einem kleinen Fischerdorf zu
einem florierenden Handelszentrum. Heute ist Letterkenny der wichtigste Ort
in der Grafschaft Donegal und Sitz der Diözese von Raphoe. Speer's Lane an der
Ecke Upper Main Street ist eine Straßenecke mit Vergangenheit: Hier fanden früher
an den sogenannten Rabble Days (etwa: "Pöbel Tage") im Mai und November "Sklavenmärkte"
statt. Auf ihnen wurden Kinder im Alter zwischen 11 und 16 Jahren für sechs
Monate an die reichen Bauern des Lagan Valley als Arbeitskräfte verkauft. (Ein
ähnlicher Markt wird von Patrick McGill in seiner Autobiographie Children of
the Dead End beschrieben.)
Die St Eunan's Cathedral dominiert die Silhouette der Stadt. Ihr graziöser
Turm, der nachts von warmem Licht angestrahlt wird, ist ein atemberaubender
Anblick für jeden Reisenden. Als die Kathedrale von Raphoe nach der Reformation
in den Besitz der Church of Ireland übergegangen war, hatte der katholische
Bischof zunächst keinen permanenten Amtssitz. Dies ist heute die Kathedrale
in Letterkenny, die 1901 eröffnet und den Heiligen Eunan und Columba geweiht
wurde. Die Gestaltung der Kirche ist sehr interessant und ist einen Besuch wert.
Auf der High Road befindet sich im Gebäude des ehemaligen Workhouse das County
Museum. Die Workhouses ("Arbeitshäuser") waren Produkte der Armengesetzgebung
und als Sammel- und Aufbewahrungsort für diejenigen gedacht, die verarmt waren
und sich nicht allein versorgen konnten. Die Insassen solcher Institutionen
fristeten oft ein hartes Dasein. (In seinem berühmten Buch Oliver Twist kritisiert
Charles Dickens, sehr zurückhaltend gemessen an den tatsächlichen Verhältnissen,
die Zustände in englischen Workhouses.) Das Workhouse in Letterkenny wurde 1834
eröffnet und blieb in dieser Funktion bis 1922. Nach einer Periode als Krankenhaus
und Verwaltungsgebäude wurde es 1987 zum Museum umgestaltet.